Heute morgen dachte ich zunächst es hätte die Nacht über in Stromen gegossen. Die großen Strassen in meiner Umgebung waren nass und mit Pfützen überseht. Heute Abend wurde mir dann bewusst was passiert war. Die Budapester Stadtreinigung war unterwegs und hat die Strassen gesäubert. Das passiert hier mit zwei Tankwagen, die fröhlich Unmengen an Wasser auf den Strassen verteilen. So viel zum Thema Wassersparen! Ich bin mir nicht sicher ob diese Prozedur wirklich zu Reinigung dient, aber eine andere Erklärung konnte ich nicht finden.
In der Nähe des Heldenplatze steht das Zeitrad; Eine Riesige Sanduhr, die ein Jahr braucht um durchzulaufen. Am letzten Tag des Jahres wird sie dann mittels Menschenkraft um 180° gedreht. Gegenüber steht ein sehr intressantes Gebäude. Beherbergen tut es leider nur eine große Bank. Das ganze übrigens in direkter Umgebung der alten Paradestrasse aus kommunistischen Zeiten. Diese ist nun zu einem riesigen Parkplatz umfunktioniert worden.
Hier eine sehr schöne Tabelle, die nicht ganz ernsthaft zu zeigen versucht, warum die aktuellen Proteste in Budapest nichts mit der geschlagenen Revolution von 1956 zu tun haben. Manche Leute behaupten das nämlich auch hier.
“Sprache ist Heimat”, sagte mal mein bisher wohl bester Prof. Jetzt fange ich an diese Worte wirklich zu verstehen. Du bist da zu Hause, wo du die Sprache der Menschen sprichst! Daher rührt es wohl auch, dass sich in solchen internationalen Gruppen, wie hier die Austauschstudenten, immer wieder kleine Grüppchen der gleichen Nationalitäten bilden.
Unter englisch sprechenden Menschen fühle ich mich wohler, als zwischen lauter Ungarn. Und wenn man mit drei Ungarn an einem Tisch sitzt und sie mit dir englisch sprechen ist es nett. Fangen sie aber kurzzeitig an untereinander ungarisch zu sprechen, fühlt man sich nicht mehr zugehörig, wohl nicht mehr so heimisch.
Mir gefällt diese Auffassung von Heimat zunehmend, ist sie doch in der Lage sämtliche Nationen gebundene Heimatthesen zu untergraben, zu mindestens auf einer subjektiven Argumentationsebene.
Was sich zur Zeit häufig in meinem Kopf abspielt ist ein Spracheintopf; Ein wenig deutsch, ein wenig englisch, das ganze gut durchkochen und langsam rühren. Das Ergebnis ist dann vielleicht vergleichbar mit Erbsensuppe: Die sieht zwar nicht immer ansehnlich aus, aber satt wird man trotzdem davon
… und ganz nebenbei, ich werde ständig für einen Finnen gehalten, selbst Finnen sprechen mich auf finnisch an und ich muss dann gut überlegen, ob es nun ein fieser englischer Akzent war, den ich nicht verstehen konnte, oder etwas anderes.
Das letzte Wochenende war ich in Pécs. Dieses Städtchen im Süden Ungarns, nahe der kroatischen Grenze, ist, im Gegensatz zu Bremen, Kulturhaupstadt 2010 geworden. Diesen Titel verdankt die Stadt wohl vor allem den Römern, die hier ihre Hinterlassenschaften nicht ordentlich beseitigten. Also es gibt dort eine sehr junge Ausgrabungsstätte, wo sehr gut erhaltene Reste einer römischen Siedlung zu sehen sind. Nachdem wir die Stadt angesehen hatten, ging es weiter nach Villány, einem sehr sehr kleinem Örtchen, das wohl hauptsächlich wegen seiner Weinkelterei besteht. Der Bahnhof hier bestand aus einer gestutzten Grasnarbe und einem kleinem Unterstellhäuschen. Nächster Halt: “Nirgendwo!”
Im Weingut gab es dann viel Essen und vor allem viel sehr leckeren Wein, Portugieser und Riesling (limitless) und anschließend eine Weinprobe mit sechs unterschiedlichen Ungarischen Weinen in den Katakomben des Weingutes. Wow, dagegen ist der “Sammler” im Pumpenwerk eine Vorratskammer. Muss einen Mordssound geben da unten!
Um kurz nach acht fuhr dann der letzte (!) Zug aus dem Nirgendwo zurück Richtung Zivilisation. Im Dunkel hatte der “Bahnhof” noch mal einen ganz anderen Charme, fast unheimlich.
Abends dann das übliche Partyprogramm, was wohl zu Erasmus dazu gehört. Das ist aber schon OK so…
Nach einer kurzen Nacht ging es dann weiter in die Berge, bzw. Hügel der Stadt und auf ein Volksfest, was dort gerade stattfand. Hier fühlte man sich, wie auf dem Cover eines Ungarn Reiseführers; In Trachten gefesselte Kinder tanzten zur Streichern und am Rande stehen die Zahnlosen Rentner und klatschen im Takt. Die Atmosphäre war aber anders als auf solchen Festen in Deutschland. Angenehmer, nicht nett und mitreissend, der so was, aber auch nicht zum schreiend weglaufen, wie zum Beispiel deutsche Schützenfeste, oder ähnliches “Traditionsgetue”.
Spät am Abend bin ich dann völlig übermüdet wieder in Budapest angekommen und zum Glück krawalllos nach Hause gekommen.
Meine wohl endgültige Kurswahl sieht folgendermaßen aus:
- Artificial Intelligence
- Computer Networks
- Information Management
- Philosophy
- Hungarian Film
- Hungarian Language (Beginners)
Insgesamt sind das 20 ECTS, also etwas weniger als ich sonst so in Bremen mache, aber mehr passte nicht in den Stundenplan und ich möchte ja auch noch ein wenig was von meiner Zeit hier haben! Der AI Kurs behandelt wohl Hauptsächlich Grundlagen der Künstlichen Intelligenz. Praktische Arbeit kommt, soweit ich weiß, nicht dran. Ähnlich ist es im Netzwerk Kurs, hier wird halt ein Semester lang Layer für Layer das TCP/IP Modell auseinander genommen. Information Management hat bisher noch nicht stattgefunden, wird aber, da es nur 2 CP gibt, sicherlich nicht so aufwendig wie in Bremen. In Philosphy geht es wohl ein Semester lang um “Freedom”, mal schauen was draus wird, aber zu mindestens ist der Prof symphatisch. Der Filmkurs beinhaltet einen Kinobesuch pro Woche und anschließend eine Diskussion über das gesehende, scheint ganz nett zu werden. Naja und im Sprachkurs, lernt man halt sprechen