Am Samstag ging es mit zwei Kommilitonen ein wenig Richtung Westen um das Land zu erkunden. Zunächst fuhren wir per Zug nach Veszprém, einem wunderschönen kleinen, aber an jenem Tag nahezu leblosen, Städtchen nördlich des Balatons. Von hier ging es mit dem Bus, der nicht einmal 1,50€ gekostet hat, weiter nach Balatonfüred, einem kleinem Ort direkt am Nordufer des Plattensees.
Nachdem wir die untergehende Sonne am Ufer genossen hatten, nahmen wir den Zug nach Tapolca, einer weiteren Kleinstadt, ein gutes Stück nördlich des Ufers. Die knapp einstündige Zugfahrt war besonders beeindruckend, da die Landschaft wirklich atemberaubend war und wir einen wundervollen Sonnenuntergang über dem See beobachten konnten!
Reisen ist hier, besonders als Student, sehr günstig, wenn man es nur richtig anstellt. Man muss in der Regel genau wissen, welche Vergünstigungen einem zustehen und manchmal sollte man trotz Sprachproblemen versuchen seine Meinung zu behaupten, so lässt sich eine Menge Geld sparen. Diese Einschätzungen gelten jedoch hauptsächlich für den ländlicheren Teil Ungarns, in Budapest können sich die Menschen auch vorstellen, dass es Studenten an einer ungarischen Universität geben kann, die nicht fließend ungarische sprechen. In der Provinz sah das schon anders aus.
Bei mir “um die Ecke” ist jene Plastik (wieder)aufgestellt worden. Vielleicht musste sie einer Baustelle weichen, vielleicht ist sie auch neu aufgestellt worden. Mir gefällt sie, doch bin ich mir nich im Klaren, ob das Objekt am unteren Bildrand eine Mine, oder “nur” ein Seeigel sein soll. Ist da nicht etwas Comicartiges zu finden?
Zur Zeit habe ich wieder Besuch aus Bremen. Maike ist für eine Woche hier und wir waren gemeinsam in Debrecen, einem sehr gemütlichen Städtchen im Osten Ungarns, nahe der Grenze zu Rumänien. Mit etwa 200000 Einwohnern ist Debrecen zwar die zweitgrößte Stadt des Landes, uns schien es dort jedoch sehr beschaulich, im Vergleich zu Budapest fast provinziell.
Mit dem Zug ging es mitten durch die Puszta. Der Begriff soll ins deutsche übersetzt wohl soviel wie “Einöde und Weideland” heißen und dem macht er auch alle Ehre. Man sah ein paar Felder und sonst viel Steppe, vereinzelt eine Schafherde. Beeindruckend!
Noch ein Tipp für alle die in Ungarn mit einem IC fahren möchten: Man sollte sich vor Fahrtantritt um eine Platzreservierung bemühen, nicht das sonst keine Plätze frei wären, aber diese darf man anscheinend sonst nicht nutzen und man müsste stehen. Man kann aber auch beim Schaffner nachzahlen, wenn man sich einigermaßen verständigen kann. Wir konnten es kaum, ein Spaß dieses Ungarisch!
Das letzte Wochenende habe ich in Wien verbracht. Das sind von hier aus gerade mal drei Stunden mit dem Zug. Danke für die viele Mühe mir bei der Suche nach einer Unterkunft zu helfen. Ich habe mich trotz euer gut gemeinten Ratschläge weder im Kolbeck, noch in der Myrthengasse einquartiert, aber auch die Geblergasse war in Ordnung. Wien scheint mir, im Vergleich zu Budapest fast verschlafen dazu liegen. Bei weitem nicht soviel Verkehrslärm, und weniger gehetzte Menschen auf der Strasse. Vielleicht liegt es daran, dass Wien sehr viel “touristischer” daherkommt als Budapest.
Ich denke ich habe eine Menge gesehen, doch leider konnte ich wegen des Wetters meine Zeit nicht immer nur genießen. Ein gemütlicher Stadtbummel ist bei Schneesturm, oder strömenden Regen irgendwie nicht sehr spaßig. Vielleicht kann ich Wien ja noch einmal einen Besuch bei schönerem Wetter widmen.
Hier einige Dinge, die mir hier im Alltagsleben auffallen:
- Milch hat nur 2,8% Fett und im Gegensatz zur Halbfetten Variante (1,5%) ein fast warnendes rotes Etikett. Die Menschen kaufen überwiegend die 1,5er Packungen
- Der ÖPNV funktioniert! Zu Stoßzeiten fahren U-Bahnen alle zwei Minuten und einige Straßenbahnen im Sichabstand. Damit diese hohe Frequenz gehalten werden kann, schließen auch sämtliche Türen radikal, in der M1 sogar sekundengenau. Wehe man steht zwischen den Türen.
- Auto fahren geht hier anscheinend auch anders als ich das so kenne. Beim Rechtsabbiegen nimmt kaum ein Autofahrer Rücksicht auf Fußgänger. Dafür wird viel gehupt. Wird ein Fahrer angehupt kommt es häufig vor, dass sie zurück hupen, sehr interessant zu beobachten ist, wenn im Feierabendverkehr an der Ampel gehupt und sich alle angesprochen fühlen und zu antworten meinen.
- Autos hupen nicht nur, sie machen auch sonst mehr Geräusche. Dieses “fiepfiep”, des ferngesteuerten Schließmechanismus, das man in Deutschland fast nur aus Filmen kennt gibt hier jedes Fahrzeug von sich. Außerdem scheinen PKW Alarmanlagen hier sensibler eingestellt zu sein; Bei geringsten Erschütterungen geben diese Fehlalarm, kein Mensch interessiert sich das natürlich dafür.
- Es ist ungewohnt, dass Menschen zur Begrüßung, aber auch als Grußwort zum Abschied “Hallo”, oder zu mindestens etwas ähnlich klingendes verwenden.